Pfälzerwald-Verein Gimmeldingen e.V.

Am stürmischen Sonntag (Sturm Xynthia gab sich die Ehre uns zu begleiten), gingen ca. 50 Wanderfreunde/-innen nach einer angenehmen Busanreise in den Bienwald bei Schaidt in der Südpfalz um einige Reste der einstigen Befestigungsanlage des Westwalls zu erkunden.

Beim Westwall handelte es sich um eine Befestigungsanlage, die sich über ca. 630 km von Kleve am Niederrhein (in der Nähe der Grenze zu den Niederlanden) bis nach Weil am Rhein an der Schweizer Grenze erstreckte. Dieses militärische Verteidigungssystem bestand aus über 18 000 Militärbunkern, Stollen, Minenfelder sowie zahllosen Gräben und Panzersperren. Errichtet wurde die Anlage von Adolf Hitler zwischen 1938 und 1940 als Gegenpol der französischen Maginot-Linie. Nach den Anfangserfolgen der damaligen deutschen Wehrmacht, geriet dieses Projekt zunächst ins Stocken. Doch als 1944 die alliierten Streitkräfte sich dem damaligen Deutschen Reich näherten, wurde (allerdings vergeblich) versucht, diese Anlage fertig zu stellen. Doch wegen Materialmangels und anderer logistischer Unzulänglichkeiten war an eine Realisierung dieses Projektes nicht mehr zu denken, sodass die Alliierten „leichtes Spiel“ hatten, nach Deutschland einzudringen.

Nach der Gruppenaufteilung (es wurden drei Gruppen gebildet: die 1. Gruppe wanderte über den großen Westwall-Rundwanderweg – ca. 18 km, die 2. Gruppe den kleinen Westwall-Rundwanderweg – ca. 9 km und die 3. Gruppe zu den naheliegenden Objekten ca. 4 km) ging es zunächst nach einer kurzen Einführung zum ehemaligen Befehlswerk „Kieferwald“. Neben der obligatorischen Waffenausrüstung diente diese Einrichtung als Vorratslager und anderen logistischen Zwecken. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurden die Anlage sowie alle anderen Einrichtungen des Westwalls gesprengt, sodass nur noch kümmerliche Reste zu sehen sind. Das B-Werk wurde zudem 1975 wegen der ausgehenden Gefahren mit Erde zugeschüttet, sodass nur noch ein „stattlicher“ Hügel zu sehen ist.

Das nächste Objekt, das wir zu sehen bekamen, hat mit dem Westwall nichts zu tun. Hier handelt es sich um die Turkogräber. Bei den Turkosoldaten handelte es sich um Angehörige von Kolonialtruppen aus Nordafrika, die im Krieg 1870/71 in Diensten der französischen Armee standen. Fünf von diesen sind bei Schaidt schwer verletzt worden und sind kurz danach auch verstorben. Da es sich nicht um Christen handelte, durften diese nicht auf dem Schaidter Friedhof bestattet werden. Um ihnen dennoch eine angemessene Ruhestätte zu gewähren, wurde diese Grabstätte im Bienwald geschaffen. Diese Grabstätte wird (wie alle anderen Objekte auch) noch heute von Mitgliedern der PWV-Ortsgruppe Schaidt betreut und gepflegt.

In der Westwall-Hauptkampflinie bekamen wir einen Westwallbunker „Regelbau 10“ (Gruppenunterstand mit angehängtem Kampfraum) zu sehen. Trotz der Sprengung kann man sehr leicht erkennen, wie mächtig dieses Bauwerk war und welch große Mengen an Beton hier verarbeitet wurde. Trotz der Sprengung ist die Decke fast erhalten geblieben (nur einige „kleinere“ Brocken an den Kanten sind abgebrochen).

Etwas später kamen wir an ehemalige Minenfelder, die sich ca. 200 m vor der Hauptkampflinie befanden. Die Größe der noch heute vorhandenen Erdkrater lässt erahnen, welche Detonationskraft die damals verlegten Minen hatten.

Am Jakobshäuschen, das wir kurze Zeit später erreichten trennten sich die Gruppen 1 und 2 um das jeweilige Wanderziel zu erreichen. Die Gruppe 1 erreichte kurze Zeit später das sogenannte „Weiße Kreuz“, das an eine Begebenheit aus dem Jahre 1838 erinnert. An diesem Ort wurde der Förster Johann Alwens von Wilderern überfallen, die ihn an einer Eiche aufhängen wollten. Durch sein Flehen ließen sie ihn jedoch wieder frei. Er schnitt daraufhin ein Kreuz in die Rinde der Eiche. Sein Nachfolger errichtete aus dem Stamm 1846 das „Weiße Kreuz’“, das inzwischen vier Mal erneuert werden musste.

Nach einigen Kilometern mussten wir entlang des Aschbaches eine etwas „feuchte“ Strecke „durchwaten“ (bedingt durch die Schneeschmelze und der kurz vorher niedergegangenen heftigen Regenfälle), die aber von allen Beteiligten ohne größere Probleme bewältigt wurde, sodass wir am Brunnenhäuschen eine verdiente Rast einlegten. Es wäre vielleicht noch kurz zu erwähnen, dass wir in diesem Waldabschnitt einige stattliche und schön gewachsene Eichenbäume zu sehen bekamen. Hier stand auch die Kaisereiche, die aber wegen „Altersschwäche“ vor einigen Jahren gefällt werden musste.

Danach ging es auf einen schönen Fahrweg wieder in Richtung Schaidt. Unterwegs machten wir an der Bismarck-Eiche eine kurze Pause. Diese Eiche hat einen Stammumfang von 6 m und eine Höhe von ca. 165 m !

Etwas abseits des regulären Weges erreicht man mittels eines „Trampelpfades“ zwei sogenannte Ein-Mann-Bunker, auch Koch-Bunker genannt (nach dem Erfinder des Gauleiters von Ostpreußen, Erich Koch). Er sollte einem Panzerfaustschützen Unterschlupf gewähren und für den Einsatz von Maschinengewehr und Granatwerfer dienen. Diese kamen jedoch nur noch selten zum Einsatz, da eine Verteidigung zu diesem Zeitpunkt bereits aussichtslos war.

Etwas weiter Richtung Wanderziel bestand noch die Möglichkeit den ehemaligen Schießstand „Haukensee“ zu besichtigen (befindet sich ca. 150 m abseits des Wanderweges), von der die meisten Wanderer von Gruppe 1 Gebrauch machten.

Als letztes erwähnenswertes Objekt kurz vor Erreichen des Zieles ist noch die sogenannte „Bildeiche“ zu nennen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde von einem Auswanderer aus Schaidt als Bitte um Schutz für eine glückliche Überfahrt nach Amerika eine Pietà geschnitzt. Dieses Bild fand seinen Platz in einer hohlen Eiche, in der es über 150 Jahre lang stand. Nach dem Zerfall des Baumes wurde 1975 ein Eichenstamm mit Nische aufgestellt.

Nachdem wir uns in der gut geführten Gaststätte des TuS Schaidt gestärkt hatten, traten wir alle zufrieden die Rückreise an und waren froh, dass uns der Sturm (Gott sei gedankt) nichts anhaben konnte und wir alle wohlbehalten wieder in unserem schönen Gimmeldingen angekommen sind.

Gerhard Leidner

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